Folge 5 – „Patricia aka Pati“ – der schwere Kampf für ein selbstbestimmtes Leben

Jungs, Mädchen, Frauen & Männer leiten die Folge mit dem Satz „Ich bin Inklusion“ ein. Zum Schluss der Einleitung sagt Katrin „…und gemeinsam“ Christin sagt „…sind wir alle Inklusion“.

Christin: Hallo und Herzlich Willkommen in unserem Podcast ‚Zeitgeist der Inklusion‘ – ich bin Christin.

Katrin: und ich bin Katrin.

Christin: Hallo ihr lieben Zuhörer, da sind wir heute, mit Folge 5. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie schön es ist endlich wieder neben Katrin in ihrem Wandschrank zu sitzen.

Katrin seufzt auf.

Christin: Wir haben uns nämlich jetzt auch eine Weile wieder nicht gesehen und Fernaufnahmen fallen uns sehr schwer, können irgendwie immer besser aufnehmen, wenn wir nebeneinander sitzen.

Katrin: Wenn wir Augenkontakt haben.

Christin: Ja.

Beide kichern.

Christin: Aber kommen wir zur heutigen Folge, denn wir haben heute wieder einen ganz spannenden Gast für euch.

Katrin: Ohja.

Christin: und zwar die liebe Patricia und Katrin, ja, fängt jetzt wie immer an euch zu erzählen, was euch denn in dieser Folge erwartet.


Katrin: Wir haben bereits die Patricia, wie bereits Markus in Folge drei in einem Zoom Meeting getroffen, natürlich alles Corona Konform und haben ungelogen 2,5 Stunden miteinander gequatscht. Wenn es nach uns dreien gegangen wäre, hätten wir auch noch weitere 2,5 Stunden geschnattert, wie wir Frauen halt so sind. Das haben wir dann allerdings auf einen anderen Zeitpunkt vertagt. Da wir natürlich nicht die kompletten 2,5 Stunden in eine Folge packen wollten, haben wir das wichtigste für euch zusammengeschnitten. Und wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen und sie war über 10 Jahre in vier verschiedenen Assistenzdiensten und wir waren zum Teil wirklich sprachlos.

Christin: Fassungslos.

Katrin: Fassungslos, wie menschenunwürdig mit Patricia umgegangen ist und was für Erfahrungen sie in diesen 10 Jahren gesammelt hat. Ihre Erzählungen reichten von Spionage, bishin zur eindeutigen Grenzüberschreitung, Eingriffe in ihr selbstbestimmtes Leben und sogar Abzocke. Und das geht einfach gar nicht. Wir haben in unserem Gespräch immer wieder gesehen wie sehr Patricia all das immer noch belastet, obwohl es schon so viele Jahre zurückliegt. Auch ihr werdet hören wie es ihr zum Teil auch gefallen ist darüber zu reden und wir waren und sind natürlich noch immer total begeistert und angetan von ihrem starken Willen und dem Kampf, den sie ausgetragen hat um ihr persönliches Budget wiederzubekommen, was ihr unfairerweise zeitweise auch wirklich weggenommen wurde. Trotz all den Hürden hat sie aber auch niemals aufgegeben und ist eine richtige Kämpferin, muss ich jetzt mal so sagen und wir bewundern sie wirklich sehr für diesen ausgesprochen Kampfgeist und den Mut sich zur Wehr zu setzen, sich das einfach nicht gefallen zu lassen. Also, ich hatte wirklich an manches Stellen Gänsehaut, wie ist es dir dabei ergangen?

Chrissy: Ja, mir hat es zum Teil auch ganz schön die Sprache verschlagen.

Katrin: Mhm, so ein Schauer über den Rücken, kann man so sagen. Genau, außerdem reden wir auch über unsere Beispiele und unsere Erfahrungen, was das Assistenzleben betrifft und nicht nur Patricia hat uns das ein oder andere Erlebnis mitgeteilt, auch wir haben ein wenig in unseren Erinnerungen gekramt und diese natürlich zum besten gegeben!

Christin: Über was wir in dem Interview mit Patricia noch gesprochen haben aber rausgenommen haben, ist ihre Erfahrung mit dem WDR. Der WDR hat ämlich zwei Videos mit ihr gedreht und zwar dreht sich ein Video um ihr Leben mit Assistenz, wurde 24 Stunden lang von einem Reporter begleitet und ihre Aussage dazu, wir möchten sie dazu sehr gerne zitieren: „Es war auch für mich eine Umstellung, weil zum ersten Mal ein Mann in meiner Wohnung war, der mich wahnsinnig gemacht hat. Er war aber doch so ein ganz lieber. Und ich bin froh dass ich ihn kennengelernt habe.“ Es war auf jeden Fall sehr lustig mit ihr darüber zu reden. Das zweite Video dreht sich um die Barrierefreiheit in Köln und wie das eben auch so praktisch aussieht, wenn Fahrstühle kaputt gehen und man dann natürlich nicht mehr vom Bahnhof hoch oder runterkommt. Darüber hatten wir auch schon in einer Folge mal debattiert, heißt das so?

Katrin: Ja, debattiert.

Christin: Debattiert. Und dieses Video vom WDR unterstreicht das ganze noch einmal. Die Videos stellen wir euch selbstverständlich bei Instagram und Facebook zur Verfügung, weswegen wir das auch aus dem Interview rausgeschnitten haben, wäre auch ein bisschen doppelt gemoppelt. Beide Videos sind auf jeden Fall sehr informativ und wer einen Einblick in den Alltag von Assistenznehmer und Assistenten bekommen möchte, der darf die sich natürlich sehr gerne anschauen. Punkt.

Katrin: Genau, außerdem haben wir mit Pati, wie wir sie ja jetzt ab sofort nennen dürfen über ihre Liebe zu den Chippendales gesprochen – Määääädels – unsere großen Fanherzen sind bei diesem Thema nur so dahingeschmolzen, so süß und romantisch wie sie von ihrem Liebling erzählt, den sie übrigens durch die vielen Besuche der Shows übrigens mittlerweile auch sehr gut kennengelernt hat. Und über die langen Jahre auch befreundet sind und sie sind auch immer noch befreunde. Wir haben aber auch über so viel mehr gesprochen, hört einfach mal selber rein und entdeckt die ganzen anderen spannenden Themen über die sympathische Patricia!

Christin: Und nicht zu vergessen, am Ende gibt es heute keine Fun Fact, sondern passend zu Patricias Leidenschaft, haben wir unseren FAN Facts rausgekramt. Seid also gespannt was für Fakten wir da ans Tageslicht bringen. Jetzt aber, genug geschwafelt, viel Spaß beim hören mit Patricia.

Christin: Ja wollen wir dann gleich mal mit deinem Beginn der Pflegedienste und Assistenzdienste anfangen? Möchtest du uns da ein wenig erzählen?

*Chrissy lacht verlegen*

Patricia: Gerne – auf jeden Fall 2010 ging es los mit der Assistent der Pflegedienst wo ich vorher noch war hat das dann am Anfang übernommen. Ich bin dann auch quasi mit Einzug in die Wohnung, ich bin da noch nicht ganz eingezogen, da war ich schon auf Bewerbersuche, das war für mich natürlich auch eine totale Umstellung, weil ich dann wusste,  es ist dann jeden Tag jemand bei dir. Am Anfang waren es erst 14 Stunden, weil ich auf die Pflegestufe 2 war – noch ziemlich lange da waren die Zeiten von 10 Uhr bis Mitternacht und 2011 ist es dann umgesprungen auf 24-Stunden – was noch mal eine Umstellung war, wenn man halt wusste jetzt wirklich jeden Tag 24 Stunden jemand und da.

Christin: Das ist ja krass.

Katrin: Da warst du ja ganz schön lange allein – 14 Stunden.

Patricia: Ja über Nacht war doch schon manchmal ziemlich brenzlig, gerade wenn man dann noch auf Toilette musste oder so – oder mir die Fernbedienung runtergefallen ist vom Bett. Damals hatte ich noch Pflegebett und da hatte ich eine Bereitschaftsnummer und da habe ich die anrufen und die Antwort war – wir kommen jetzt nicht, weil wir ja schlafen müssen. – und ich habe halb im Bett gesessen und konnte selber nicht schlafen und dachte mir dann so – Okay dann beschwere ich mich am nächsten Tag und das habe ich dann auch gemacht und schwups haben sich diejenigen damals bei mir entschuldigt, aber damit ist es ja nicht getan. 

Christin: Nee. Worauf lag denn die Grundlage des Berechnens deines Stundenbedarfs, den du benötigst. Wer hat das denn beschlossen, dass du so wenig Stunden eigentlich dazubekommst.

Patricia: Das lag daran, dass ich Pflegestufe 2 hatte.

Christin: Ah okay, das hängt dann damit auch wirklich zusammen – Pflegestufe 2 sagt aus, also auch für die Zuhörer, die das vielleicht auch nicht wissen, das wir denen kurz erklären, wie das auch vielleicht zusammenhängt, was das halt bedeutet – also kommt das von der Pflegestufe.

Patricia: Genau – also man kann natürlich frei wählen, wie viele Stunden man haben möchte, aber es hängt halt davon ab, welche Pflegestufe du hast und erst mit Pflegestufe 3 kannst du, bzw. ja jetzt Pflegegrade, ich habe z. B. Pflegegrad 4 und habe jetzt umgestellt, also damals Pflegestufe 3, habe dann umgestellt auf 24 Stunden,

Christin: Ah okay verstehe.

Katrin: Wie war das damals für dich mit der Assistenz – also die Assistenten wurden dir ja auch gestellt oder konntest du dir frei aussuchen die bei dir dann gekommen sind?

Patricia: Also zum Assistenzdienst bin ich ja 2014 gewechselt, das war mein 1. Assistenzdienst, wo ich ja auch schon jemanden kannte, die das dann mit mir zusammen gemacht hat und die mich auch so ein bisschen in die Assistenz geschmissen hat. Klar sind sie darauf bedacht zu sagen, dass man sich die aussuchen kann, aber ehmmmm, weil sie dann trotzdem immer noch so ein bisschen in dein selbstbestimmtes Leben greifen und das so ein bisschen übernehmen. Was mir natürlich nicht so richtig gepasst hat, weil ich mir nur dachte – ich will meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich habe euch als Dienst, weil ihr meine Assistentinnen bezahlen sollt und dafür da sein sollt, wenn Not am Mann ist. Das waren immer meine beiden Voraussetzungen, die ich über die Jahre hatte und die wurden halt ehhhhmmm, die haben sich halt nicht daran gehalten, wo ich mir dann auch gedacht habe, was soll das hier? Ihr kriegt so viel Geld für zwei Sachen, die ihr eigentlich machen müsst und noch nicht einmal die könnt ihr machen.

Christin verlegen: Ja okay.

Katrin: Also war es eher Quantität statt Qualität, wie man das ja eigentlich erhofft hat, wenn man in einen Dienst geht.

Patricia: Definitiv. Also mir wurde auch meine Kompetenz abgesprochen, das alleine machen zu können, mir wurde immer das Gefühl gegeben ich kriege das nicht hin – von jedem Dienst wo ich war. Also so habe ich mich gefühlt über die Jahre – 2014 war ich bei dem 1. und dann war ich halt irgendwann da weg, weil ich das Gefühl hatte, dass sie nur auf Profit aus waren und der Mensch nicht mehr gezählt hat. Wollte dann einen 2. und habe dann auch einen 2. gefunden. Habe ihn auf einer Veranstaltung kennengelernt. Dir wird am Anfang immer versprochen, wir machen das so wie du das möchtest und wenn dann die Unterschrift auf den Vertrag drauf ist, dreht sich das Ganze um, weil dann meint der Dienst zu machen was sie wollen, weil ja jetzt die Unterschrift drauf ist und du bist dann drinnen und bist dann für alle nur quasi in Anführungszeichen der Geldbeutel. Das fühlt sich dann für einen selber an, als Assistenznehmer, also für mich hat es sich nicht gut angefühlt.

Katrin: Völlig verständlich – also wie du das so erzählst klingt es schon sehr menschenunwürdig wie da mit Menschen generell umgegangen wird – ob mit Handicap oder ohne ist ja scheißegal, aber immer darauf zu setzen, dir leere Versprechungen zu machen und sobald die Unterschrift unter dem Vertrag ist, ja da dreht sich die Welt dann noch mal komplett und nicht  ins Positive.

Patricia: Ja und das habe ich halt immer wieder über die Jahre gemerkt, als ich vom 1. Dienst dann weg bin und zum 2. rüber bin – das war 2017, da lief halt ein Jahr alles gut soweit, die haben mich soweit in Ruhe gelassen und danach wurde es dann irgendwie komplett Creepy irgendwie. Ich habe leider den Fehler gemacht, Leute die da gearbeitet haben bei Facebook auszunehmen und natürlich wenn du einen neuen Dienst kennenlernst, baust du natürlich auch Vertrauen auf bzw. wollen die das, dass du Vertrauen aufbaust. Also diese eine Person, die da gearbeitet hat, hat mich quasi ausgehorcht, weil wir halt auch eine gute Beziehung miteinander hatten, und hat mich quasi ausgehorcht, was ich so in meinem Leben mache und das dann im Büro weitergegeben und ich war auch immer ehrlich muss ich dazu sagen und das wurde quasi komplett ausgenutzt so krass, dass sie mich auf Facebook quasi ausspioniert haben, was ich denn mache in meinem Leben und gedacht haben, dass ich mein Budget verprellen würde und damit dann tatsächlich mit dieser Behauptung, aber ich muss dazu sagen, es fing damit an, dass sie mir Drohemails geschrieben haben, dass ich zu spät die Zahlung zahle die eingehen sollen. Ich muss dazu sagen dass, in dem Vertrag den ich mit denen hatte kein Zahlungsziel drin stand, also war für mich klar, wenn kein Zahlungsziel drin steht, gelten die allgemeinen gesetzlichen 30 Tage, da habe ich mich darauf aufgestützt. Hab’ denen das dann halt auch gesagt, dass ist denen glaube ich auch ein bisschen sauer aufgestoßen, dass mir das aufgefallen ist – man muss auch dazu sagen, dass sie nicht professionell gearbeitet haben – der menschliche Umgang auch einfach nicht so … ich wollte immer einfach menschlich behandelt werden und das habe ich dann auch am Anfang gesagt – mir wurde gesagt „bei uns kommen erst die Assistenznehmer und dann kommen wir.“

Das wurde mir am Anfang gesagt kaum war die Unterschrift drunter, da war es dann wieder ganz anders und durch diese Sache die dann angefangen hat mit Drohemails – ich wusste aber für mich da schon zu diesem Zeitpunkt, dass ich weg will, dass ich auf jeden Fall ins Arbeitgebermodell möchte. Das habe ich denen auch oft genug gesagt, bin denen damit schon auf die Nerven gegangen und ein guter Assistenzdienst, der muss dich dabei unterstützen ins Arbeitgebermodell zu gehen, aber bei allen Diensten wo ich war, die haben es natürlich nicht gemacht, weil sie natürlich sehen, ah ok die hat 24 Stunden, die wollen wir mal nicht gehen lassen, weil sonst geht Geld verloren,

Katrin: Es hat dich keiner dabei unterstützt, dass du dann alleine deinen Weg ins Arbeitgebermodell findest – habe ich das gerade richtig gehört?

Patricia: Richtig!

Christin: Krass. Das ist, ich muss noch einmal kurz auf diese Thematik zurückkommen, die du angesprochen hast mit den Drohemails und dass da halt die eine Assistentin war, die sich auch ausgehorcht hat.

Patricia: Das war ein Mitarbeiter vom Dienst, der mich ausgehorcht hat.

Christin: Ahhhh okay. Hatte sie das denn von Anfang an darauf abgesehen dich aus zu horchen? So als Taktik oder ich meine warum macht man so was?

Patricia: Ja ich glaube, dass war schon ein abgekartetes Spiel, weil das waren Menschen, die keine Erfahrung mit Assistenz hatten und in der Immobilienbranche tätig waren

Christin erstaunt: Immobilien.

Patricia: Immobilien – und Immobilien-Menschen können einfach gut reden.

Christin: Ja das stimmt – aber mit Menschen können sie ja nicht, denen sind Emotionen dahinter egal, bei den Immobilien wollen sie ja auch nur …

Patricia: Emotionen? Emotionen gab es nicht – also das Wort kennen sie nicht.

Katrin: Gott, ist das eklig. 

Christin: Ich hoffe die Leute schämen sich ganz doll für ihr Verhalten das ist … 

Patricia: Ahhhhh ich glaube nicht, aber …

Christin: Schade

Patricia: Also für mich war die Erfahrung davor über diesen Dienst einfach, ich weiß gerade nicht wie ich das nennen soll – ich  könnte auch schon wieder heulen, wenn ich darüber rede, weil das so ….

Christin: Schlimm war.

Patricia: Weil ich auch überhaupt nicht gerechnet habe, dass das überhaupt mal passieren kann.

Christin verständnisvoll: Hmmmmm

Patricia: Ja also die haben mir quasi erst die Drohemails geschickt, dass ich ja doch bitte bezahlen soll und früher zahlen soll und sie waren immer der Meinung, dass ich zu spät gezahlt habe, aber ich habe immer vor dem 15. bezahlt. Da sollte der Betrag halt immer drauf sein und daran habe ich mich gehalten. Wie gesagt im Vertrag war nichts festgehalten und deswegen habe ich mich daran gehalten, dass es definitiv vor dem 15. da ist, das habe ich immer gemacht und dann meinten die, mir zu drohen, was ich überhaupt nicht gut fand und die Kommunikation war irgendwann auch nicht mehr möglich, weil ich mir immer belabert vorgekommen bin. Ja und ich eigentlich es ja nicht besser weiß als sie, da sie ja eigentlich keine Ahnung von dem hatten was sie tun. Also für mich war das wirklich sehr sehr einschneidend in meinem Leben, weil es ging dann so weit, dass sie mich halt ausspioniert haben bei Facebook, diesen Verdacht aufgestellt haben – einfach so grundlos – da weil sie gesehen haben was ich so mache in meinen Leben, dass ich mein Budget verprellen würde und ganz viel reisen würde und kein Geld mehr habe sie zu bezahlen und davon auszugehen geht einfach auch nicht, also wie kommt man überhaupt da drauf das zu denken?

Katrin: Sowas würde ich niemals tun.

Christin schockiert: Ja 

Katrin: Das ist auch nicht ihre Aufgabe.

Patricia: Und denen geht es auch nichts an, was ich in meinem Leben mache.

Christin: Ja das ist total grenzüberschreitend – definitiv eine Grenze überschritten.

Katrin: Das ist Psychoterror – ganz einfach. Das geht in die Psyche und das belastet dich, hat ich damals belastet und das belastet dich ja auch jetzt noch.

Patricia: Ja es hat mich schon sehr sehr verletzt, weil ich quasi denen vertraut habe und ja das wurde missbraucht.

Christin: Schrecklich.

Patricia: Ich habe dann, sie haben es tatsächlich dann wahr gemacht. Also sie haben mir gedroht, dass sie zu meinem Geldgeber gehen und sagen, dass ich mein Budget verprelle und kein Geld mehr habe. Ich habe erst gedacht, die machen das nicht, die bluffen und auf einmal hatte ich einen Brief im Briefkasten von meinem Geldgeber, dass sie das prüfen wollen und dann ist die Welt für mich wirklich erstmal zusammengebrochen, weil ich dachte, das kann nicht wahr sein – also es kann nicht wahr sein. Habe ich mich wirklich den ganzen Tag hingesetzt, habe Rechnungen und Kontoauszüge ausgedruckt. Ein ganzer Sonntag ist dafür draufgegangen, weil mein Geldgeber das dann natürlich haben wollte. Ich bin dann persönlich dahin gegangen, wirklich mit zitternden Knien, hatte meine Assistentin dabei, also die auch gesagt hat ne, da ist auch einfach nix dran und das war wirklich schlimm für mich, diesen Weg überhaupt gehen zu müssen. Ich dachte mir dann so Patricia, das kannst du jetzt nicht auf dir sitzen lassen und habe denen dann das in Rechnung gestellt, den kompletten Tag den ich hier verbracht habe am Drucker mit Strom, mit Papier, mit dem Weg den ich machen musste zu meinem Geldgeber, das habe ich alles in Rechnung gestellt.

Katrin: Geil!

Christin: Finde ich richtig gut.

Katrin: Sehr gut! Hat es etwas gebracht?

Patricia: Ja es hat tatsächlich  etwas gebracht. Sie haben das tatsächlich überwiesen, weil sie gedacht haben, dass ich dann bleibe – denke ich mal.

Katrin: Aber du hast dann die Flucht ergriffen.

Patricia: Ich habe mir dann gedacht, dass ich auf jeden Fall jetzt nicht mehr bleiben kann, das Vertrauen ist weg. Ich war voll in der Prüfung drin, weil Geldgeber hat mich 4 Monate lang auseinandergenommen, mit Konto  kompletten Konto, also die haben es dann auch tatsächlich geschafft, vom persönlichen Budget auf Sachleistung zu setzen. Sachleistung heißt, dass das Geld dann direkt an den Dienst geht und nicht mehr über mich läuft. Es ist vorher 9 Jahre über mich gelaufen. Ich bin damals mit 24 Jahren gestartet, es ging 9 Jahre über mich und auf einmal, weil Menschen irgendetwas behaupten, wurde das dann auf einmal umgestellt. Wo ich mir dann dachte, wie könnt ihr das machen, warum macht ihr das? Es war ja gar keine Kommunikation mehr möglich. Ich habe gesagt telefonieren möchte ich nicht mehr, mit euch ist eh nicht mehr zu reden aber per Email bin ich immer erreichbar und das hat denen natürlich nicht gepasst und per Email haben sie sich dann auch nicht gemeldet und dann hat mich der besagte Mitarbeiter noch einmal angeschrieben, dass wir noch einmal über die Situation reden müssen und so. Zu dem Zeitpunkt war ich aber nicht bereit und absolut nicht in der Lage, weil ich enttäuscht war und verletzt und heute immer noch bin.

Katrin: Verständlich.

Patricia: Danach hatten wir uns als Team überlegt, weil mein Team stand immer hinter mir, wie gehen wir jetzt aus dieser Situation raus, weil ich wusste für mich, dass ich da raus muss, weil es gibt ja nichts mehr zu kitten mit denen, es ging ja gar nichts mehr so und da haben wir halt ein Gespräch ausgemacht und daraufhin, am selben Tag, kam ein Brief von meinem Geldgeber, mit 26.000 Euro Überschuss von meinem Budget. Überschuss heißt aber nicht Guthaben sondern ich habe mein Geld zweckentfremdet – das war einfach zu viel, dass war also die Gelder, die sie noch zurückbekommen müssen. Der Gedanke, der gemeinen Menschen,  die da beim Dienst gearbeitet haben, war einfach der falsche – aber ich hatte definitiv noch Geld auf dem Konto, aber die haben ja gedacht, da ist gar nichts mehr drauf und am selben Tag kam der Brief und ich habe mir dann 2 Assistenten geschnappt als Zeugen. Die dann mit mir gefahren sind, weil ich war natürlich fix und alle, weil der Brief kam und dann bin ich da hin und habe aber vorher für mich schon geplant, dass ich gehen werde. Wir haben alle unsere Kündigung geschrieben, damit haben sie aber nicht gerechnet, weil sie gedacht haben, dass ich bleiben werde und dann sind wir dahin und für mich war das natürlich ein sehr sehr krasser Schritt, den überhaupt zu gehen, aber ich bin dann dahin und habe versucht das für mich so zu klären. Das Problem war, dass dieser Mitarbeiter mich überhaupt nicht zu Wort kommen lassen hat, und dieses Gespräch ging 48 Minuten. Ich wollte es eigentlich gar nicht so lange ziehen. Er wollte auch gar nicht dass meine Assistenten dabei sind. Ich habe dann drauf bestanden, weil ich sie einfach als Zeugen dabei haben wollte, weil ich glaube ich gedacht hätte, dass wenn die jetzt nicht im Raum gewesen wären, dass er dann die Chance genutzt hätte mich wieder zur belabern und deswegen habe ich sie drinne gelassen Wie gesagt dieses Gespräch ging über 40 Minuten – im Großen und Ganzen habe ich mir da lang lang gedacht, hör auf zu reden, ich habe da keinen Bock mehr drauf. Ich habe dann gesagt – Mädels wir gehen – habe dann die Kündigung auf den Tisch gelegt und ihm ist gleichzeitig aber auch die Kinnlade hatte komplett runtergefallen, weil er nicht damit gerechnet hat, dass ich das geplant habe. Er hat mir versucht zu erklären, dass sie mich ja trotzdem halten wollen und die anderen Geschäftsführer, die da waren, mich schon längst hätten gekündigt hätten wollen. Natürlich hätten sie mich niemals gekündigt, das weiß ich und das wäre niemals passiert, weil ich eben eine 24-Stunden Assistenz habe, denn 24 Stunden bringt Kohle und dann habe ich die Kündigung auf den Tisch gelegt und das Gesicht werde ich nie in meinem Leben vergessen, weil er niemals damit gerechnet hat, dass ich gehen werde und ich habe es immer wieder gesagt aber niemand hat mir geglaubt. Wenn Patricia irgendwas sagt, dann tut sie das auch und da muss man dran glauben und das war noch einfach so und wer mich nicht ernst nimmt, der gehört nicht in mein Leben.

Katrin: Da hast du auf jeden Fall einen großen Sieg davongetragen.

Patricia: Ja also für mich war es natürlich sehr befreiend und ich hatte dann aber erstmal danach das Problem, dass wir nur noch 2 Wochen hatten. Ich war ja auf Sachleistung umgestellt. Dass das Geld von mir über den Dienst geht – einfach so.  Wo ich mir auch dachte, wie könnt ihr das machen? Ich hatte dann zwei Wochen Zeit um mir einen Dienst zu suchen und bin dann bei einem gelandet. Ich muss dazu sagen, dass ist der schlechteste Dienst, bei dem man überhaupt landen kann.

Katrin: Scheisse …

Christin: Oh Gott!

Katrin: … vom Regen in die Traufe.

Patricia: Ja und der hat das dann halt auch nicht so hingekriegt und ich wusste, ich bleibe nicht lange da und die wussten das aber auch. Und es war von vorne rein klar ,aber es war trotzdem nicht schön. Es waren drei Monate, die ich dann da war, aber es war klar, dass ich halt gehen werde. 

Katrin: Übergangsweise war es wahrscheinlich für den Moment ganz passend, aber du hast dich ja dann noch nach dem 4. Assistenzdienst umgesehen.

Patricia: Genau ich musste ja dann noch die andere Sache klären. Mein Geldgeber hat mir dann irgendwann nicht mehr vertraut natürlich, weil sie natürlich gedacht haben, dass das so ist.

Katrin: Konntest du das nicht aber nachweisen mit den Rechnungen und den ganzen Unterlagen, Dokumenten denen du ihnen gegeben hast, dass an der Sache nichts dran ist?

Patricia: Ja natürlich, aber die haben mir das dann trotzdem nicht geglaubt. Ich habe dann auch Quittungen nicht gehabt, die ich hätte haben sollen und so – dann ist das natürlich schwer dran zu glauben ne.

Christin: Da hatte man einmal den Stempel und dann sitzt man plötzlich so auf der auf der schwarzen Liste.

Patricia: Ich habe mich gefühlt wie auf der Anklagebank und zu unrecht beschuldigt. Diese Zeit war für mich – ich habe glaube ich nur noch geweint, vier Monate lang durch geweint, denn für mich war es schlimm, dass Budget nicht mehr persönlich, nach über den 9 Jahren, in der Hand zu haben – so wie, wenn du einem Kind das Spielzeug wegnimmst und das kriegt es dann nie wieder. Das war für mich klar, dass ich drum Kämpfen werde, es wieder zurückzubekommen und ich habe alles dafür getan um es wieder kriegen. Bin wirklich morgens um 6:30 Uhr aufgestanden und bin persönlich zu meinem Sachbearbeiter gegangen und habe mit wirklich Tränen in den Augen versucht ihm klarzumachen, dass da nichts dran ist, hab’ dann auch gefragt, gibt es Möglichkeiten, dass ich mein Budget wieder bekomme. Seine Antwort darauf war, wenn Sie einen Dienst finden, der das über persönliches Budget macht, dann können wir noch mal drüber reden und das war für mich so – wow okay – ich bin raus und habe erstmal geweint, weil ich das nicht glauben konnte, dass er das wirklich gesagt hat und habe mich dann nach dem 4. Dienst umgesehen, wo ich aber auch wusste, dass das auch nicht gut werden kann, weil für mich Dienste ja nicht das machen was sie sollen. Das aber meine einzige Möglichkeit war an mein Budget wieder dran zukommen. Deswegen habe ich mir gesagt Patricia, da musst du jetzt durch und habe es dann tatsächlich 2019 im September geschafft, dass ich es wieder bekomme. Bin dann zu diesem Dienst gegangen, habe dem Dienst auch gesagt, dass ich nächstes Jahr in das Arbeitgebermodell wechseln möchte. Aber irgendwie war mir klar, dass mir das wieder nicht zugetraut wird, dass ich das überhaupt packe, weil jeder sagt irgendwie, dass das zu viel Arbeit ist und dass ich das nicht packen könnte oder so, weil es ist mehr Arbeit und so, aber ja und jedes Mal wurde dir gesagt, dass du dir das überlegen sollst weil es doch mehr Arbeit ist, das war immer so die Begründung. Dann war ich ein Jahr lang bei dem Dienst, wo dann auch am Ende raus kam, dass der Dienst mich quasi abgezockt hat und mir jeden Monat zu viel Geld abgezogen hat.

Christin: Wow was stimmt denn nicht.

Katrin zeitgleich: Was stimmt denn mit den Leuten nicht?

Patricia: Ja das war dann so für mich, wo ich nur dachte was macht ihr denn eigentlich? Also ich bin auch nur ein Mensch, wieso guckt man immer nur auf die Kohle – das ist für mich unbegreiflich. Letztes Jahr wurde es dann noch ein bisschen kritisch, weil der Dienst mir ein Jahr lang auf die Nerven gegangen, dass wir den Schutzlohn erhöhen müssten, für mein Team war der eigentlich ok so und ich wusste, dass mein Geldgeber das auch nicht so einfach macht. Dann hieß es jaaaaa der Vertrag ist abgelaufen, bla bla, wir müssen neu beantragen. Dann kam halt die Erhöhung noch dazu und dann habe ich auf einmal einen Brief bekommen – einen Brief der eigentlich an meinen Geldgeber gehen sollte, mit dieser Stundenerhöhung, wo ich mir auch so dachte okay von mir aus, weil die Verträge meiner Mädels sind da auch irgendwann abgelaufen. Also ich muss dazu sagen, die Geschäftsführerin des Dienstes, ehmmm die ist mit einer unglaublichen unmenschlichen Art vorangegangen, wo ich dachte so, so kannst du doch nicht mit deinem Kunden reden. Die dir quasi das Geld bringen, so kannst du doch nicht mit denen reden – die hat mir quasi gedroht, wollte mir ein schlechtes Gewissen machen, ob ich nicht ständig will dass meine Mädels mehr Geld bekommen und so. Und daraufhin habe ich dann nur gesagt, weil die Verträge abgelaufen sind, weil sonst hätten wir ein Problem gehabt, dass sie das jetzt machen soll mit Stundenlohnerhöhung und ich aber ab Oktober 2020 raus bin. Das war dann so für mich der Schritt zu sagen, ich muss da raus.

Katrin: Hast du das ganz alleine geschafft ins Arbeitgebermodell zu wechseln? Also wie war der Wechsel für dich? Hattest du dann eine Organisation oder einen Verein, der dir geholfen hat oder hast du das tatsächlich gesagt – so es reicht ich werde jetzt den Antrag stellen für’s eigene Arbeitgebermodell – wie war der Weg dahin?

Patricia: Also ich habe es tatsächlich alleine geschafft und habe gesagt, ich möchte das jetzt und es ist Zeit das jetzt zu machen und der neue Antrag auf persönliches Budget lief eh schon. Dann habe ich mich erkundigt wie das dann ist, ehmmm also man muss den Antrag generell stellen und man kann sich dann aussuchen – bleibt man dann im Dienstleister-Modell oder geht man ins Arbeitgebermodell.

Christin: Ich würde gerne mal wissen, was das für Assistenzdienste sind? Wie stellt man sich das vor? Wie viele Menschen betreuen denn da? Ich meine, ist das eine Firma mit sagen wir mal jetzt fünf Teams betreuen oder fünf Assistenznehmer betreuen oder wie? Das hört sich ja so an, als ob sie gerade aus der letzten Gosse gekommen sind und sich selbständig gemacht haben und sich dann denken wir machen jetzt mal Assistenzdienst – so klingt das ja.

Patricia: Ja, ja wir machen jetzt einen Assistenzdienst auf, weil das ja Geld bringt.

Christin: Genau, so klingt das auch. Was waren das denn für Vereine? 

Patricia: Das war deren Intention und bei dem letzten bevor ich zu dem 4. Dienst gegangen bin, habe ich dann irgendwann herausgefunden, und das war wirklich für mich, also da bin ich aus Wolken gefallen, dass die haben eine Masche aufgestellt und an Leute dran zu kommen.

Christin: Das gibt’s doch nicht.

Patricia: Und als ich das mitbekommen habe, habe ich gedacht – meine Güte ey – so viel zu Leuten, die einfach einen Dienst aufmachen wollen.

Christin: Das ist ja krass. Ich meine es ist ja vor allem das Schlimme, dass da immer wieder neue darauf reinfallen, ja dann eigentlich …

Patricia bestätigend: Jaaaaa

Christin: …woher weiß man das dann vorher? Man wendet sich ja an die Assistenzdienste damit sie einen unterstützen und nicht damit sie einen wirklich ja fertigmachen.

Patricia: Ja, dass ist es ja eben, das weiß man ja vorher nicht, die können halt gut Schauspieler ne, da muss man halt gut aufpassen und auch seine Dinge durchsetzen, die man durchsetzen will und wenn das nicht so ist wie man das möchte oder wenn das nicht passiert wie man das will, dann sollte man ganz schnell weg da oder erst recht erst gar nicht machen oder direkt ins Arbeitgebermodell gehen, wenn man sich das zutraut. 

Christin: Das ist krass. Ich habe das noch nie so mitbekommen und so gehört – wie schlimm die Umstände im Assistenzdienst sein können. Ich meine, es ist vermutlich nicht jeder so, aber das so zu erfahren ist schon nicht so schön und macht mich schon echt sprachlos muss ich sagen. 

Patricia: Also für mich ist definitiv klar ich werde niemals zurückgehen – zu einem Assistenzdienst, weil das was ich jetzt habe, nämlich ich seit Oktober 2020 mein Arbeitgebermodell, bedeutet für mich einfach absolute Selbständigkeit und Freiheit. Ich bin an dem Ziel angekommen, wo ich immer sein wollte. Vor zehn Jahren habe ich mir noch nicht mal, ich habe mir drei Monate gegeben, und jetzt sind es zehn Jahre.

Katrin erfreut: Schööönnn.

Christin erfreut: Wow.

Patricia: Es ist also wirklich unglaublich – ich kann es selber manchmal noch gar nicht fassen, dass ich die ersten 10 Jahren geschafft habe und jetzt im 11. Jahr bin und bald bei meinem Ziel angekommen bin, wo ich immer sein wollte.

Christin: Wahnsinn. Ich will an der Stelle auch unbedingt mal etwas loswerden. Ich glaube da spreche ich auch für Katrin, dass wir dir sehr dankbar sind, dass du da so offen und ehrlich auch darüber redest. Das ist auch nicht selbstverständlich und die Zuhörer werden auch mitbekommen wie emotional das Ganze für dich ist und ich finde, da sollten wir uns an dieser Stelle auch auf jeden Fall bei dir bedanken, wie ehrlich du auch darüber sprichst – das ist ja auch nicht gerade einfach.

Patricia: Ja ich will ja auch, dass das irgendwie mal an die Welt rauskommt, um andere Leute davor zu beschützen und deswegen mache ich das ja sehr gern.

Katrin: Es ist auf jeden Fall wirklich sehr bewundernswert. Du bist da wirklich eine Kriegerin, die sich da ihren eigenen Weg durchgeboxt hat und du hast dich vor allem auch nicht unterkriegen lassen – also egal was passiert ist – du wusstest wo du hin willst und du bist weiter gegangen und hast dich da nicht von abbringen lassen und egal wie stark der Druck auch war. Du hast dein Weg gemacht.

Christin: Und vor allem über so eine lange Zeit. Ich meine, man redet über Jahre, die du damit verbracht hast – das ist Wahnsinn und du hast nie aufgegeben.

Patricia: Nee, aufgeben ist auch keine Option und das sollte man auch niemals. Ich frage mich manchmal selber, woher ich die verkauft habe und kriege, aber ich habe noch nie aufgegeben, seitdem ich auf dieser Welt bin.

Katrin: Ja und vielleicht jetzt mal von dem Thema so ein bisschen wegzukommen, ist ja auch sehr emotional gewesen, würden wir gerne noch mit dir über Assistenten reden, weil ich kann mir vorstellen, in all den Jahren hast du bestimmt auch einige Assistenten bei dir auf der Couch sitzen gehabt und auch angestellt gehabt. Du hast bestimmt so einiges erlebt.

Patricia: Generell auch bei den Diensten natürlich ne und am schlimmsten für mich wirklich, wenn Leute egal ob Arbeitgebermodell oder Assistenzdienst, die meinten mir zu sagen was für mich am besten ist. Das war und ist immer noch schwierig – um mal ein Beispiel zu nennen. Ich hatte eine Situation mit einer die irgendwann zu mir meinte, „Patricia versprichst du mir was?“ … ich so … „Ähhh was denn?“ Trinkst Du heute mal was? Ich will, dass du heute mal ein bisschen was trinkst,  du trinkst zu wenig.“ … ich entscheide das, wann ich was trinke oder eine andere stellt mir einfach den Becher hin – ohne mich irgendwie zu fragen – so nach dem Motto „trink mal was.“ Da bin ich dann rigoros und der Becher bleibt dann stehen, weil ich dann denke du entscheidest ja nicht wann ich etwas trinke.

Christin: Natürlich nicht, das geht gar nicht. Ich meine du wirst ja wohl selber wissen wann du Durst hast.

Katrin: Das ist echt heftig. Ja ist ja auch schon bisschen was mit Nähe und Distanz Verhältnis auf jeden Fall haben die Assistenten auch so ein bisschen Distanz in dem Moment nicht waren können vor dir und deiner Persönlichkeit…

Patricia: Richtig!

Katrin: … und was hast du denn da noch erlebt? Ich bin ein bisschen neugierig, weil ich mag dieses Thema unglaublich gerne.

Patricia: Es sind so viele gewesen, dass ich erstmal überlegen muss.

Christin: Ich habe auch schon überlegt, ob mir noch was einfällt, was ich da ausplaudern könnte, was ich erlebt habe von anderen Assistenten.

Katrin: Ja bei dir fällt mir was ein.

Christin erstaunt: Bei mir?

Katrin: Ja … der Assistenznehmer der mit seinen Assistenten in einem Bett geschlafen hat.

Christin entsetzt: Jaaaaaaaaa – das stimmt. Soll ich das erzählen?

Patricia: Oh ja bitte.

Christin: Ok, also ich hatte mal, das war nach meiner Babypause, ich war ja dann ein Jahr in Elternzeit 2017, als der kleine geboren ist. Und habe dann wieder neu angefangen und bin dann bei jemanden gelandet, der schien wirklich echt cool zu sein. Es war ein junger Mann und berufstätig und relativ geregeltes Leben und in der Wohnung an sich war es ein bisschen chaotisch und als ich dann mit ihm darüber gesprochen habe wo denn die Assistenten schlafen war dann die Antwort „Na auf einer Matratze“. Das war prinzipiell ja nicht schlimm, aber als ich dann erfahren habe, dass die Matratze auch immer mitten im Wohnzimmer liegt und da es ja nicht sauber war und ich es dann angesprochen habe „Naja es ist halt schon komisch. Wo schlafen denn die anderen?“ … „Na die weiblichen schlafen bei mir immer im Bett zum Kuscheln.

Patricia entsetzt: Waaaassss? 

Christin: Jaaaaa. Da dachte ich so wow. Das war sehr grenzwertig das und das ist noch die harmloseste Geschichte von allen.

Patricia: Aber eigentlich dürfen die Assistentinnen oder Assistenten ja das dann nicht zu lassen oder?

Christin: Ja, aber da war tatsächlich eine Assistentin, die ging auch weiter. Das war wirklich krass – also ich war da auch nicht lange, ich war da anderthalb Monate oder zwei. Ich habe es da echt nicht lange ausgehalten, als es dann halt los ging und ich bin ja auch nach der Elternzeit erst mit ein paar Stunden wieder eingestiegen ne, was hatte ich? Zwei oder Drei Dienste relativ entspannt um auch mit dem Kleinen zu gucken, wie das funktioniert. Da war ich halt nicht oft weg, aber es dauerte halt noch eine Weile bis man dann da so mitkriegt, wie das dann halt auch da abläuft und das war sehr erschreckend.

Katrin: Ich hatte auch eine kleine Situation, ist mir gerade eingefallen, mit einer ehemaligen Assistenznehmerin. Das ist jetzt nicht so doll, aber ich fand es zu dem Zeitpunkt schon ziemlich krass und zwar wir haben über Haare unterhalten. Sie wollte halt zum Friseur gehen und fragte mich dann halt wie oft ich mit meinen Locken zum Friseur gehe und wie ich sie färben lasse und ich meinte halt, dass ich halt zwei- bis dreimal im Jahr zum Friseur gehe aber schneiden tue ich sie nur einmal im Jahr, einmal alle zwei Jahre, weil ich sie auch wachsen lassen will …

Patricia: Ja

Katrin: …und daraufhin machte sie plötzlich ein großes Fass auf und meinte das geht gar nicht, du musst deine Haare schneiden. Du wirst, wenn wir zum Friseur gehen, deine Haare schneiden lassen und ich war so „Was? Ich soll meine Haare, also wenn wir beide zum Friseur gehen, auch schneiden lassen?“ und sie meinte „ja“.

Christin: Krass, das wusste ich gar nicht. 

Patricia: Das ist ja unglaublich..

Katrin: Und ich meinte auch, dass mir das ein bisschen zu weit geht und ich das Gespräch jetzt beenden werde, weil es meine Sache ist, wann ich die Haare schneide und wie ich sie schneiden lassen und wenn ich selber da mit der Schere rein gehen und einmal kreuz und quer schnipple.

Christin: Wow.

Patricia: Aber ich hatte auch Geschichten, wo ich so dachte, um Gottes Willen das passiert gerade nicht. Da waren auch so Sachen wie unterlassene Hilfeleistung drinnen, die überhaupt nicht gehen. Die letzte Sache ist noch gar nicht so lange her, das war im Oktober am Anfang meines Arbeitgebermodell, also das war eine Assistentin, die habe ich immer wieder mehrmals immer wieder eingestellt und dann ist sie wieder gegangen und habe sie dann auch wieder mitgenommen ins Arbeitgebermodell und das habe ich nur gemacht, weil ich sie mochte und dann habe ich sie mitgenommen ins Arbeitgebermodell. Das fieng schon im Oktober im November 2019 an, wo ich wusste, ok da stimmt irgendetwas nicht. Ich war im Urlaub in Hamburg und wir waren vier Tage in einem Hotel eingesperrt, weil sie dann in ein depressives Loch gefallen ist und weil ich sie dann wirklich auch nicht mehr daraus bekommen habe. Ich habe für uns Unternehmungen geplant, ich hatte Musical-Tickets. Ich war für mich wirklich hilflos, weil ich dachte so okay das ist dein Urlaub und die Frau bewegt sich nicht aus dem Bett – kümmert sich nicht um dich, kümmert sich nicht um sich selbst. Ich war irgendwie die vier Tage in den selben Klamotten und dann habe ich aber auch zu ihr gesagt wir müssen wenigstens dieses Musical Donnerstag packen, weil sonst ist es doof halt, weil sonst ist mein kompletter Urlaub gelaufen habe ich gesagt. Und dann an dem Tag, weil ich habe, das Wetter in Hamburg ist halt im November auch nicht so toll, und dann sie hat mich halt dadurch, dass ich sie ja nicht rausbekommen habe aus dem Zimmer, habe ich halt viel geschlafen, weil ich dachte nur so kannst du mit der Situation umgehen. Dann bin ich war ich dann irgendwann wach und es war schon wieder viel zu spät und dann haben wir es also nicht geschafft, die Karten sind verfallen, und da hat sie mich quasi auch angeschrien und meinte „Du ich packe das heute nicht mehr, ich bin fix und alle“ … und ich so „Was? Jetzt lassen wir auch noch die Karten verfallen? Das ist jetzt nicht dein Ernst?“ und dann bin ich wirklich krank geworden und am nächsten Tag sind wir halt nach Hause. Im Zug habe ich schon die Krise gekriegt und dachte okay. Danach hat sie aufgehört, weil sie irgendwie einen Bandscheibenvorfall hatte und dann sind wir aber, hatten wir kurz eine Pause voneinander, weil ich auch wirklich sauer auf sie war, weil sie hat mir wirklich meinen Urlaub versaut. Dann hat sie sich irgendwann bei mir gemeldet, weil sie mich im Fernsehen gesehen hat, ob sie denn noch eine Chance hätte zurückzukommen. Ich musste dann natürlich erstmal überlegen ob ich das mache, ja, habe dann gesagt okay lass uns reden. Wie war denn dein Jahr? Wir haben drei Stunden lang geredet. Ich habe sie gefragt „Sag mal was ist denn da im November eigentlich passiert? Warum war das so?“ … sie meint nur „Keine Ahnung, kann ich dir nicht sagen.“ … das heißt eine richtige Antwort habe ich darauf auch nicht bekommen. Aber für mich war klar ok sie war in einem depressiven Loch.

Katrin: Aber das dann so verantworten, weil ich meine du hast dir sie ja als Assistentin ausgesucht, damit ihr zusammen in der Urlaub fahrt. Ich meine, wenn man spürt man schafft das von der Psyche her nicht, dann ist man ja eigentlich so ehrlich und sagt das vorher.

Patricia: Ja.

Christin: Ja auf jeden Fall

Katrin: Krass

Christin: Was mich zu den Assistenten noch interessiert sind deine Erfahrung mit verschiedenen Vorstellungsgesprächen.

Patricia: Ohhhhhhhhhhhh

Christin: Das ist auch so eine Sache, die brennt Katrin auch auf der Seele.

Katrin bestätigt: Oh ja.

Patricia: Ehmmmm also du hast wirklich die unterschiedlichsten Menschen hier sitzen. Die einfach, also für mich war von vorn herein klar, seit 2010, seit dem das begonnen hat mit der Assistenz, dass ich niemanden haben möchte, der nur quasi Eurozeichen in den Augen hat – versteht ihr was ich meine?

Christin: Total.

Christin & Katrin zusammen: Ja.

Patricia: Und sondern jemand der auch Bock hat mit mir zu arbeiten, der Bock hat mit mir die Zeit, die wir zusammen haben zu rocken und das ist schwer zu finden muss ich sagen, weil viele Leute sehr sehr – ich weiß nicht, wie ich das nennen soll – verkrampft sind. Vielleicht auch spießig. Darf man das sagen?

Christin schmunzelnd: Ja, darf man.

Patricia: Ich sitze im Rollstuhl, ich kann nicht laufen, aber ich bin trotzdem jemand der man in seinem Leben halten möchte, wenn man sich erstmal kennt und ja das Lied und nicht versteht darf das nicht weil Menschen nicht kennen.

Katrin: Ja ich habe auch einige Vorstellungsgespräche immer wieder miterlebt und kann es total verstehen. Bei meiner Assistenznehmerin leite ich auch die Vorstellungsgespräche immer so ein bisschen mit an und helfe halt bei den ersten Griffen des Transfers und habe da auch so einige kennengelernt und kann deine Gedanken um das schnelle Geld und die Eurozeichen in den Augen auch gut verstehen. Bist du auch so eine, dass wenn die Tür aufgeht, du eigentlich schon weiß, das klingt vielleicht ein bisschen oberflächlich, aber bist du so eine die weiß wenn da jemand durch die Tür kommt, das passt oder das passt nicht?

Patricia: Ja definitiv – also diese Menschenkenntnis habe ich mittlerweile gesammelt, wo ich wirklich die Person setzt sich hin und ich weiß ganz genau – das wird nichts. Du kannst gleich wieder rückwärts rausgehen.

Christin: Ja bei mir ist es immer so, dass ich es immer merke, wenn dann so Einarbeitungen sind, wie sich die Leute anstellen, weil ich finde dann sieht man, ob Wort und Tat tatsächlich übereinstimmen. Die Leute können meistens besser reden als handeln und wenn ich da schon sehe wie unbeholfen manche Handgriffe sind, dann weiß ich schon – fängt vielleicht an aber ich glaube nicht, dass sie lange bleiben wird.

Patricia: Genau.

Patricia: Es war auch echt so, dass ich das jetzt mittlerweile auch so mache, dass meine Assistentin dabei ist bei den Gesprächen. Vorher habe ich das alleine gemacht aber jetzt mittlerweile mit der Assistentin, die gerade da ist. Das wir es dann auch zusammen machen.

Christin: Ich glaube es kommt auch immer ganz drauf an, wer der Assistenznehmer immer ist ne und wie halt eben auch vielleicht das Krankheitsbild aussieht oder sowas wie diejenige irgendwas selber sich mitteilen wollen . Ich hatte zum Beispiel …

Patricia: Ja.

Christin: …eine Zeit lang bei einem ganz tollen Mann gearbeitet mit ALS. Er hatte gar nicht die Kraft dazu, dass so mitzuteilen. Er brauchte seine Assistenz um ihm auch z.B. den Alltag zu erklären, weil er es sonst gar nicht kräftemäßig geschafft hätte und das ist dann eben auch vor allem in solchen Fällen super. Also es ist in jedem Team wichtig gute Leute zu haben auf die man sich darauf verlassen kann – also nicht nur bei speziell bei ihm, auch bei dir und bei jedem anderen Assistenznehmer und das unterschätzen ja viele, die sich bewerben. Die wissen nicht wie wichtig es ist in so einem Team auch wirklich zusammenzuarbeiten, es funktioniert halt nicht ohne dieses gute Team.

Patricia: Ja das stimmt und da die richtigen Leute zu finden ist wirklich wirklich schwer. Viele Leute, muss ich auch dazu sagen, verstellen sich im Gespräch. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, ist das jetzt ehrlich und die Wahrheit und das nicht.

Katrin: Das ist vor Allem auch super respektlos den Assistenten, also den Arbeitskollegen auch gegenüber finde ich. Also das denke ich mir auch immer das gerade auch, also man muss sich ja nicht verstehen unbedingt als Assistenten in einem Team, aber es wäre schön wenn ein guter Grundton herrschen würde …

Patricia: Ja.

Katrin: …wenn man ja trotzdem an einem Strick zusammenzieht und man ist ja sage ich, ich sag’s immer gerne, auch mitunter auch das Gerüst des Lebens und trägt dazu bei. Ohne die Assistenten geht das ja auch nicht und da muss man sich, jeder muss sich 100% aufeinander verlassen können.

Christin: Deine Zeit ist ja auch zu schade dafür, was willst du dich damit rumquälen. Das ist ja Quatsch. Du machst das ja, weil du ja ein selbstbestimmtes Leben haben willst und dann Leute in deinem Leben zu haben, und das dann auch noch so dicht. Es ist ja eine sehr intime Arbeit und dann ist das ja Quatsch und man quält sich nur.

Patricia: Ja richtig und deswegen ist das der Vorteil am Arbeitgebermodell. Im Gegensatz zum Dienst, dass du das jetzt quasi wirklich selbst entscheiden kannst und niemand mehr Drittes sagt „Überleg dir das doch noch mal“ oder sowas.

Christin: Jaaaa.

Patricia: Das ist auch für mich mega erleichternd und positiv. Für mich ist das Arbeitgebermodell die beste Entscheidung die ich treffen konnte.

Christin: Schön.

Patricia: Darf ich noch was sagen zu der krassen Geschichte wo wir gerade ja zum bisschen raus.

Christin & Katrin zusammen: Unbedingt.

Christin belustigt: Uns Frauen liegt das ja immer sehr vom Thema abzukommen

Patricia: Die Besagte, die mit in Hamburg war. Wir hatten 5 Monate Pause man hat sich dann gemeldet und wir haben geredet und ich habe mir das noch mal überlegt und habe sie wieder mit ins Team genommen und habe sie dann auch mit ins Arbeitgebermodell genommen, was der größte Fehler meines Lebens war, und am 8. Oktober meinte sie morgens einfach so zu gehen.

Katrin erbost: Wie sie ist gegangen? 

Patricia: Sie ist einfach so gegangen und ich dachte nur…

Christin: Ach quatsch.

Patricia: …dass ist nicht dein Ernst. Ihr ging’s nicht gut am Vorabend schon. Wir haben ihr schon gesagt, mit der Kollegin, mit der Assistentin die davor Dienst hatte, dass morgen die Bahnen streiken werden. Das sie erstmal, also dass keiner irgendwie überhaupt kommen könnte und sie wusste das und dann hatte ich aber schon abends ein total komisches Gefühl, weil sie dann auch total abwesend war und mit Ihrem Tablet beschäftigt war, dachte ich schon „Hmmmmm irgendwie stimmt da gerade was nicht.“ Habe mich dann hingelegt, bin dann morgens wach geworden und wollte einen Schluck Wasser haben – normalerweise ist mein erster Gang immer für kleine Prinzessinnen. Ja und ich musste da aber noch nicht und dann hat sie mir das Wasser gebracht und meinte so „Ich gehe jetzt noch zum Aldi. Mir ist schlecht, ich muss etwas essen.“ Dann kam sie wieder und ich habe sie dann nur noch telefonieren gehört und dachte so, mit wem telefoniert sie da gerade. Und sie kam dann irgendwann wieder zu mir ins Zimmer und meinte „Ich muss jetzt gehen, ich muss einen Coronatest machen mir geht’s nicht gut.“ … ich so „Wieso was hast du denn?“ … „Ja ehmmm Schüttelfrost, mir ist schlecht, ich habe Durchfall.“ … „Okay. Ja aber bitte bringe mich doch noch auf Toilette, damit ich entspannt liegen kann.“ Und dann  meinte sie „Ich muss jetzt gehen, ich muss jetzt zum Coronatest.“ … ich so „Ähmmmm du kannst jetzt nicht einfach gehen.“ Also ich muss dazu sagen sie hat niemanden bescheid gesagt aus dem Team, nicht in die Gruppe geschrieben, dass ich jetzt alleine bin. Niemand wusste das und sie meinte wortwörtlich zu mir, dass mit ihr ist jetzt gerade wichtiger, ihr war alles egal, sie war total gleichgültig. Sie ist mit den Worten raus „Ich muss jetzt los sonst kommen die mich holen, wegen dem Coronatest.

Katrin belustigt: Sonst kommen die mich hooooleeenn.

Patricia: Ja.

Christin: Was stimmt denn da nicht

Patricia: Und ich dachte nur, es ist jetzt nicht dein Ernst, du bist jetzt nicht wirklich gegangen. Also man darf nicht einfach gehen und ich habe noch Gott sei Dank – Gott sei Dank – zu ihr gesagt „Gib mir bitte mein Handy.“ Wäre mir das runter gefallen dann hätte ich ein komplettes das Problem gehabt. Dann hätte ich, weil sie hatte nämlich, sie ist eingesprungen und sie hatte eine Doppelschicht gehabt, das heißt 48 Stunden hätte niemand etwas mitbekommen, wenn ich nicht mein Handy da gehabt hätte.

Christin schockiert: Oh krass.

Katrin schockiert: Ist das heftig.

Patricia: Aber mein größtes Problem war, dass ich ja auf Toilette musste, wo ich dachte um Gottes Willen was machst du denn jetzt? Und dann habe ich natürlich, es war morgens 9:30 Uhr muss ichdazu sagen ne, dann habe ich natürlich angefangen mein Team durch zu telefonieren, die waren natürlich alle erstmal am schlafen und dann habe ich jemand irgendwann dran gekriegt, und habe total panisch angerufen, weil die wissen ganz genau ich rufe nicht morgens um 9:30 Uhr an um Smalltalk zu halten – dann ist wirklich irgendetwas passiert.

Christin: Ja.

Patricia: Das wissen die und dann habe ich sie erreicht und ja eine konnte nicht kommen, weil sie gerade im Umzug war und dann habe ich mit der einen – aber die Bahnen haben ja gestreikt – das war ja das Problem die 

Christin: Oh Gott.

Patricia: …die Bahnen haben gestreikt und ich war dabei eine neue Assistentin einzustellen. Die sollte Probearbeiten. Ich habe sie über Facebook kontaktiert, dass sie doch bitte meine Assistenten abholen soll, dass sie mitkommt, weil die Bahn ja streiken, sie konnte ja nicht zu mir. Habe ihr die Situation erklärt und dann ist es natürlich bei mir irgendwann auch schief gegangen, klar war dann eingenässt und lag dann keine Ahnung wie viele Stunden in meinen Fäkalien und dachte „Ach du scheiße“, weil dass ist das schlimmste Gefühl was du haben kannst.

Christin und Katrin sind darüber merklich schockiert.

Patricia: Das ist der größte Stempel, den man einem geben kann, den ich auch niemals von einer Assistentin haben möchte, weil ich möchte diesen Stempel einfach nicht mehr haben auf Hilfe angewiesen zu sein, weil ich jeden Tag auf’s Neue zu spüren kriege. Dann sind sie natürlich nach vier Stunden gekommen aber ich war natürlich fix und alle. Konnte das erstmal nicht glauben

Katrin: Ja das glaube ich.

Christin: Oh wie schlimm.

Katrin: Hat sich die Assistentin denn nach ihrem Corona Test noch mal bei dir gemeldet?

Patricia: Das ist nämlich der Punkt, der noch schlimmer ist wie ich finde. 0 – 0 hat sie sich gemeldet.

Christin geschockt: Bitte?

Patricia: 0 hat sie sich gemeldet um zu fragen, ob denn bei mir jemand ist, ob es mir gut geht? Sie hat sich nicht gemeldet. Das einzige was sie gemacht hat, in Ihrer Gleichgültigkeit, in die Gruppe zu schreiben – also in unsere Teamgruppe – dass sie ja jetzt einen Test gemacht hat und dass wenn das Ergebnis kommt dass sie das mitteilen wird, aber sie hat kein Wort davon erwähnt, dass ich gerade alleine bin. Das finde ich schon sehr menschenunwürdig.

Christin geschockt: Wow ist das schlimm.

Patricia: Das war so krass, dass ich auch zum allerersten Mal in meinem Leben mit der Polizei zu tun hatte – jetzt was den Fall betrifft. Ich habe Anzeige erstattet – wegen unterlassener Hilfeleistung – und ja habe sie natürlich fristlos gekündigt.

Christin: Ja

Patricia: Ja und sie meinte jetzt gegen die fristlose Kündigung zu klagen.

Christin erstaunt: Quatsch.

Katrin überrascht: Was?

Patricia: Und jetzt bin ich mit ihr seit Oktober in einem Rechtsstreit drin…

Christin: Ich bin fassungslos.

Katrin: Ich habe gar keine Worte dafür.

Patricia: …und sie hat mir einen Brief geschrieben – ich habe natürlich an dem gleichen Tag noch die Krankenmeldung von ihr verlangt, weil wir ja auch nicht geglaubt haben, dass es wirklich so sein wird und  sie hat mir völlig gleichgültig eine Sprachnachricht hinterlassen – in der Gruppe – es hat jeder mitbekommen. „Du kriegst die Scheiße noch. Ich kotz’ mir hier die Seele aus dem Leib, mir geht’s scheiße“. Das war ihr Kommentar, den ich auf der Sprachnachricht hatte. Ja das hat wie gesagt die komplette Gruppe mitbekommen und dann hat sie ja irgendwann geschrieben, ja der Test ist. Dienst am 03.10. ja oder nein? und ich so spinnst du?

Christin schockiert: Was?

Katrin mit fassungslosem schmunzeln: Wie kann man denn so frech sein danach zu fragen ob der nächste Dienst stattfindet?

Patricia: Sie schrieb auch in diesem Brief, dass sie alle Dienste bezahlt bekommen möchte, die sie hatte im Plan. Die Backups, die sie angeblich gemacht hat und Urlaub und krank – insgesamt waren es 3000 €.

Christin: Na klar.

Patricia: Wir haben heute einfach so natürlich und ich mir dachte so – du kriegst gar nichts von mir – ja und jetzt stehen wir seit Oktober in dem Rechtsstreit und haben jetzt bald hoffentlich einenGerichtstermin, wo wir das klären können.

Christin: Krass. Okay also das toppt alles was ich je gehört habe.

Katrin: Ja, so eine Geschichte habe ich auch noch nicht gehört.

Christin: Nein.

Patricia: Also sowas hätte ich auch nicht gedacht, dass mir das mal passiert. So krass definitiv nicht.

Katrin: Wow. Da drücke ich dir, also der drücken wir dir auf jeden Fall die Daumen, dass der Rechtsstreit zu deinem Gunsten ausgelegt wird also …

Christin: Ja also wir möchten natürlich ein Update haben.

Katrin: Ja sehr gern. 

Patricia: Natürlich das kriegt ihr auf jeden Fall.

Christin: Gut Patricia – jetzt kommt ja eigentlich erst der aufregende Teil.

Katrin: Jetzt geht’s los.

Patricia: Das habt ihr euch zum Schluss aufgehoben.

Christin: Jaaaaaa, das Beste kommt immer zum Schluss.

Katrin: Um es vielleicht mal vorneweg zu sagen, Patricia ist Fan von den Chippendales und die Chippendales sind eine Männergruppe die sich für Frauen oder Publikum auf Bühnen anrüchig sexy bewegen und sich dabei tanzend ausziehen. Vielleicht weiß der ein oder andere Zuhörer auch gar nicht – was sind denn überhaupt die Chippendales?

Patricia: Die Chippendales kommen aus Amerika, sind eine Entertainer Gruppe, die sagen ja auch selber nicht „Wir sind Stripper sondern wir sind Entertainer“.

Katrin lachend: Mir ist auch gleich ein bisschen warm geworden Leute muss ich gestehen.

Chrissy lacht im Hintergrund

Christin überrascht: Katrin?!

Katrin: Ja naja … 

Patricia: Uhhhhhh

Katrin: Wie ist es denn dazu gekommen, dass du auf die Chippendales aufmerksam geworden bist und dass da deine kleine Fan Leidenschaft entbrannt ist?

Patricia: Also ich habe damals in einem betreuten Wohnen gewohnt, das war 2007, und bin dann quasi noch in eine Behindertenwerkstatt gegangen und hatte da eine Mitarbeiterin, Kollegin sage ich mal, die die da auch gearbeitet hat und wir haben zusammen im selben Wohnheim gewohnt. Sie kam auf mich zu und meinte ob ich denn nicht Bock hätte heute zu ihr die Gruppe zu kommen und dann bin ich hingefahren und dann waren ihre Betreuerin und sie in dem Zimmer und ich habe da schon Poster gesehen und dachte, hmmmmm Chippendales – wer ist das? Und dann meinten sie, dass sie Karten hätten und das eine abgesprungen ist und habe ich nicht Bock hätte mit dabei zu sein und mitzukommen und ja, da sagst du dann natürlich nicht nein ne?

Katrin: Nein definitiv nicht.

Patricia: Ja und dann sind wir tatsächlich mit dem Bus den wir hatten nach Hagen gefahren. Das war meine allererste Show 2007 – im Oktober. Wir waren auch noch in der ersten Reihe…

Katrin: Uhhhhhhhh

Patricia: Aha und ich dachte so – okay und dann kurz vor Showbeginn, ich war schon so nervös, und die Mitarbeiter um uns rum so „Yaaayyy“, weil ich nicht wusste was passiert und dann saßen wir da und die Show ging los und ich dachte so – ooookkkkkkaayyyy – gut – ja und da ist mir auch dann auch schon jemand ins Auge gesprungen, den ich dann von Anfang an schon gut fand, Billy Jeffrey, hieß er oder heißt er tatsächlich immer noch. Ich saß da und wusste, diesen Menschen möchtest du kennenlernen. Die Show war vorbei wir konnten sie dann auch noch treffen und Autogramme sammeln und so und einer der Jungs meinte so zu mir- war das dein erstes Mal? und ich so „Ja“ … „Aber nicht dein letztes ne?“ und ich so „Neeeinnn“

Katrin lacht im Hintergrund.

Patricia: Ja und von dem Tag an war ich chippsifiziert.

Christin & Katrin zusammen: Chippsifiziert.

Katrin: Das ist ja geil. Geiles Wort

Christin: Ja auf jeden Fall

Patricia: Am Anfang war das wirklich noch so – ich gehe hin um mir mir nackte Männer anzugucken so – am Ende der Show konntest du aber auch immer Fotos machen mit den Jungs dann auf der Bühne.

Katrin: Uhhhhhhh.

Christin: Hmmmmmm.

Patricia: Da wurde mir dann auch immer ja sehr waaarmmm. Erst recht als mein Lieblings-Chippendale dann immer auf mich zu kam. Ja und ich war dann auch immer die letzte, die die Fotos machen durfte, weil die dann gesagt haben alle anderen zu erst, weil da waren ja wie viel mehr Leute.

Christin: Ich muss noch kurz fragen – wie oft hast du? Du hast ja in 2007 angefangen ne?

Patricia: Ja ich habe 2007 angefangen.

Katrin: Boah ist das lange her.

Christin: Bis jetzt – das ist krass. Wie viel Shows hast du insgesamt gesehen?

Patricia: Oh mein Gott ich habe mal gezählt aber ich glaube, oh mein Gott um die 35 …

Katrin total überrascht: Woooowwww

Christin: Wow

Patricia … 36 shows. Die letzte Tour war tatsächlich, weil es die letzte Tour von Billy war, mit 13 Tickets insgesamt 3 Monate lang durch NRW. Die Zeit war für mich die schönste die ich haben konnte, weil im Laufe der Zeit haben wir uns wirklich kennengelernt. Wir sind jetzt wirklich, also ich bin nicht mehr Fan, wir sind befreundet miteinander. Und dieser Mann hat mir, ich kann ja die holen ja auch Mädels auf die Bühne ne.

Christin: Aaahhhhaaaa.

Katrin lacht

Patricia: Ja man darf ja nicht zu viel verraten, falls man die Show sehen möchte.

Katrin: Unbedingt

Christin: Achtung Spoiler!

Patricia: Und ich konnte ja nicht rauf, wegen dem Rollstuhl halt, konnte ich nie rauf, aber er hat es immer wieder geschafft, mir Momente zu bereiten wo ich dachte, wo Alter was machst du mit mir, du machst es mir schwer dich am Ende der Tour ehmmm mich voll am Ende dazu von Dir zu trennen. Um mal ein Beispiel zu nennen: Er kommt runter bei einer Nummer und er hat mich immer gesucht. Wir haben geschrieben, viel auch über Instagram, und er wusste dass ich da bin und er hat mich von der Bühne aus immer gesucht. In der Anfangszeit konnte ich immer nicht auf Partys gehen, die machen da auch Aftershow Partys am Ende der Show. Ich konnte immer nicht mit und war dann immer voll traurig, weil da meistens Stufen waren in den Clubs oder sonst wo, wo die Partys dann waren und irgendwann 2014, da hat er mich zum ersten Mal auch überrascht. Sie schmeißen Shirts die Bühne runter – tut mir leid schon wieder ein Spoiler – …

Katrin lacht

Patricia: Er kam zu mir und hat mir das persönlich gegeben und hatte, die reißen die eigentlich auch immer auf, aber das hat er zum ersten Mal bei mir nicht gemacht und meinte so ich habe es extra nicht aufgerissen damit du es auch anziehen kannst.

Christin: Oh mein Gott ist das eine süße Geste.

Patricia: Ja.

Christin: Mein kleines Fan-Herz schlägt dafür ist das nicht süß?

Patricia: Der war wirklich süß und da dachte ich schon so okay – irgendwie irgendwie da bisschen mehr wie Fan  also in Bezug auf Freundschaft natürlich ne. 2014 war dann auch tatsächlich meine erste Aftershow Party mit den Chippendales, wo wir wirklich nach der Show hin sind und er alles möglich gemacht hat für mich damit ich dabei sein kann und das ist für mich wirklich also jetzt habe ich genommen hast um Stoff für ein Typ von da an war ich wie ein Pico,

Katrin: Ja das klingt so ein bisschen wie aus einem Hollywood-Film so ein bisschen. Das berührt mich gerade voll.

Patricia: Also hätte ich muss auch sagen 2017 hat er leider aufgehört und das war für mich krass gewesen. Ich war wirklich bei der allerletzten Show dabei, ich habe mir die Augen aus dem Kopf geheult – wirklich ohne scheiß – was wäre sehr sehr emotional und dieser Mensch hat mein Leben bereichert auf bald und ich habe ihn ganz ganz ganz tief in meinem Herzen drinnen.

Katrin: Solche Menschen hinterlassen ja auch Spuren im Leben und im Herz.

Patricia: Er war der erste Mann in meinem Leben mit 21-22, der mir gezeigt hat dass ich nicht nur eine Frau im Rollstuhl bin, sondern eine Frau bin – versteht ihr was ich meine?

Christin: Hmmm. Er hat dich so wahr genommen wie du wirklich bist, dein Wesen wahrgenommen.

Patricia: Ja und das ist das was mich so geflashed hat.

Christin: Wie schön. Habt ihr denn immer noch Kontakt ich meine ihr seht euch ja jetzt nicht mehr dadurch dass er nicht mehr mitmacht. Konnte der Kontakt denn erhalten bleiben?

Patricia: Wir schreiben tatsächlich zwischendurch noch miteinander und ich muss dazu sagen, dass ich früher sehr sehr wenig Selbstwertgefühl hatte – durch meine Eltern – worauf ich aber auch nicht darauf eingehen möchte, die mich sehr entwertet haben, über die Zeit, aufgrund meiner Behinderung und er hat halt quasi das Gegenteil getan was mich jedesmal geflasht hat. Deswegen war auch seine letzte Tour für mich die schwerste Tour.

Christin: Ja verständlich.

Katrin: Warum hat er denn aufgehört?

Patricia: Ja er hat das dann schon 15 Jahre gemacht ne und irgendwann hast du da einfach keinen Bock mehr drauf ne.

Katrin: Schade.

Christin: Ja klar und verständlich. Da musst Du ihn wohl mal in America besuchen fahren bzw. fliegen.

Patricia: Ja habe ich auf jeden Fall vor – unbedingt.

Katrin: Aber würdest du denn auch zu neuen Chippendales Terminen gehen ohne ihn oder würdest dich zu sehr daran erinnern.

Patricia: Ganz ehrlich Mädels. Nein, weil es nicht mehr dasselbe ist. Ich muss dazu sagen man kennt die Crew in- und auswendig – ich liebe sie – ich liebe die Chippendales Crew, falls ihr das hören solltet – ganz liebe Grüße an euch, ihr seid toll.

Christin: Die Crew ist sowieso eigentlich immer die wichtigste.

Patricia: Ja

Christin: Immer die wichtigsten Menschen – ohne die Crew funktioniert keine Show egal in welchem Bereich.

Patricia: Richtig genau das.

Katrin: Ja und noch ein anderes wichtiges Thema, was so bisschen mit einspielt, was ich bei dir auf der Facebook-Seite gefunden hatte, und was mich auch sehr interessiert hat, ist deine Erfahrung mit Ticketverkäufen für barrierefreie Plätze, die Diskriminierung die da stattfindet – ich muss es leider so sagen, ich bin da leider immer sehr ehrlich.

Patricia: Wirklich Diskriminierung ja.

Katrin: Genau, weil einfach auf den Webseiten vorab keine zuverlässige Informationen stehen und erst meistens mit Vorverkaufsstart dann Informationen preisgegeben werden und Servicemitarbeiter leider auch keine Ahnung haben wie Rollstuhlfahrer oder Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind an Tickets kommen. Was hast du da so für Erfahrungen gesammelt?

Patricia: Also ich muss sagen ich war immer sehr traurig und enttäuscht. Beispiel – ich nehme jetzt mal die Chippendales Tickets, die gehen in den Vorverkauf Patci kommt aber nicht an die Tickets dran, weil man auch den offiziellen Verkauf warten muss und alle anderen kriegen schon Tickets und du denkst so … ja schön. Warum ist das so, warum musst du da jetzt jedes mal jedes Jahr warten? Das war für mich schon sehr sehr frustrierend.

Katrin: Ich verstehe nicht warum die Gleichberechtigung da nicht geschaltet wird, weil ich mein wenn die 1 schon an Tickets kommen du aber noch nicht da – ich verstehe den Sinn dahinter auch einfach nicht.

Patricia: Nee, also ich habe ihn auch nicht verstanden und jeder Ticketverkäufer ist auch anders. Also ich habe mit den bekanntesten hier in Köln eigentlich immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber viele sind halt nicht so, also viele du rufst da an und möchtest ein Ticket haben und die sind dann wirklich überrascht – oh Rollstuhl? Nee da weiß ich jetzt gerade nichts drüber leider. Muss ich mich erstmal informieren.

Katrin: Geben Sie mir mal Ihre Telefonnummer ich rufe Sie dann zurück.

Patricia: Ich rufe sie in fünf Tagen an.

Katrin: Genau das kenne ich auch. Genau in der Zeit verfliegen die Tickets und meistens ist dann ausverkauft, das habe ich auch schon ganz oft erlebt.

Christin: Was würdest du dir wünschen, was verändert werden soll? Womit könnte man die Leute oder die Veranstalter vielleicht auch mal aus erster Hand von dir weiterhelfen.

Patricia: Also die kommen ja immer mit der Ausrede, dass die Veranstalter das entscheiden, wie das jetzt geregelt ist. Aber viele machen das ja gar nicht, die vergessen ja Rolliplätze. Also ich würde mir wünschen, dass wir Menschen mit Handicap, ich mag das Wort Behinderung nicht, da ein bisschen mehr mit in die Gesellschaft rein und nicht so, also mehr in die Mitte, und nicht außerhalb vom Kreis, das es auch bei den Ticketverkäufen Online z.B. ein Rollstuhl Symbol gibt, wo man gleich drauf klicken kann und nicht erst anrufen muss damit man das machen kann.

Christin: Ja so wie im Saalplan ne wenn man …

Patricia: Ja genau über Saalplan buchen.

Christin: Das ist natürlich eine gute Anmerkung.

Patricia: Viele sind ja gar nicht informiert und dann passiert gar nichts mehr.

Katrin: Jeder schiebt sich so die Selbstständigkeit, also jeder schiebt es so weg von einem – ich habe damit gar nichts zu tun,

Patricia: Ja ja genau.

Christin: Ja, da müssen wir mal ein bisschen noch ein bisschen wachrütteln, also das finde ich auch geht gar nicht. Das sollte definitiv gar nicht erst zur Debatte stehen, darüber diskutieren zu müssen, das sollte ansich normal sein.

Patricia: Richtig. Finde ich auch.

Christin: Es ist ja nicht so schwer im System das so umzustellen, das wenn man eine Saalplanbuchung hat, die Rollstuhlplätze einfach mit buchen kann. Wenn es dann ausverkauft ist, dann sieht man das und dann muss man nicht darauf warten, dass einer sagt ich rufe sie in zwei Minuten zurück und dann nach 10 Tagen immer noch nicht angerufen hat.

Patricia: Richtig, genau das,

Christin: Also da fühlen sich bestimmt sehr viele jetzt von dir verstanden von der Problematik.

Katrin: Es ist leider ein sehr weitreichendes Thema, was ja damit anfängt und damit endet, dass gerade barrierefreie Plätze irgendwo hinten in der Ecke, nicht auf einem Podest sind, …

Patricia: Ja

Katrin: … und die Leute stehen genau vor dir.

Patricia: Oder zu wenig Plätze da sind oder gar keine sogar.

Christin: Eine letzte Sache zum Schluss, die wir ja alle Gäste fragen, was du den Zuhörern mit auf dem Weg geben möchtest – ob nun mit Handicap oder ohne Handicap?

Patricia: Also was mir wirklich wichtig ist, gerade auch zum Thema Inklusion, mir wäre es lieb, wenn man überhaupt nicht darüber nachdenkt, ob irgendjemand im Rollstuhl sitzt, ob er irgendwas kann oder nicht. Überhaupt nicht in Frage stellen sondern einfach nur so nehmen wie man ist. Das sich jeder Mensch, der sich im Leben begegnet, auf Augenhöhe begegnet und nicht überlegt, kann der oder die das oder auch Menschlichkeit ist glaube ich das Wort, was jeder sich mal hinter die Ohren schreiben sollte, weil viele Menschen sind sehr oberflächlich, ja dass man da einfach entspannter mit umgeht und sich auf Augenhöhe begegnet. Das ist mir eigentlich am wichtigsten – mit jedem Menschen, der dir begegnet egal ob im Rollstuhl oder jeder Mensch.

Christin: Alle sind gleich.

Patricia: Ja genau das.

Christin: Ein schöner Schluss Spruch. Jetzt wären wir doch tatsächlich am Ende angekommen. Vielen lieben Dank für deine Zeit und deine ehrlichen und aufrichtigen Antworten auf unsere Fragen.

Patricia: Sehr sehr gerne – hat mich gefreut da zu sein.

Katrin: Es war uns eine Ehre mit dir darüber reden zu dürfen, über deine Erfahrungen und deine Werte, die du so in deinem Leben gesammelt hast.

Christin: Bis baaaaldd

Patricia: Bis bald

alle gemeinsam: Tschüsss

Katrin: Wir bedanken uns aus tiefsten Herzen bei Patricia dafür, dass sie so ehrlich zu uns und zu euch war. All die Dinge, die sie erzählt hat, sich unserer Meinung nach fernab des Vorstellbaren. Wie ist es euch da ergangen? Für uns war es zum Teil schon schwere Kost. Und genau dafür bedanken wir uns, dass sie den Mut hatte uns das alles auch so offen und ehrlich zu erzählen. Wir hoffen, dass wir mit dieser Folge auch anderen Menschen Mut machen können. Solche Erlebnisse sollten auf keinen Fall im Verborgenen bleiben. Es muss darüber gesprochen werden, damit es anderen nicht auch passiert oder geschieht.

Christin: Wenn ihr selbst betroffen seid oder jemanden kennt, der ebenfalls betroffen ist, habt den Mut und meldet euch bei uns oder schreibt doch Patricia direkt an und tauscht eure Erfahrungen aus, könnt euch ein paar Tipps geben. Vielleicht kann Pati dir den ein oder anderen Tipp geben, um eine Lösung zu finden. Ihr findet alle Kontaktmöglichkeiten in unseren Shonoten oder auch bei Instagram unter Zeitgeist der Inklusion. Außerdem hat auch Patricia eine Internetseite, die ihr sehr gerne besuchen könnt und wo ihr auch mehr zu ihr als Person und ihrem Leben erfahrt – Patismile.de – Kommen wir nun zu unseren angekündigten FanFacts, statt den sonstigen FunFact. Wir machen das heute ein bisschen anders. Wir haben nämlich beschlossen das wir einfach mal in unserem Erinnerungsordner kramen, der tatsächlich existiert, das ist kein visueller Ordner, virtueller Ordner. Dieser existiert tatsächlich. Ich habe mir die Mühe gemacht, von Konzert Nummer 1 bis jetzt, tatsächlich alles aufzuheben und aufzukleben.

Katrin: Das ist super verrückt, Leute.

Christin: Und vielleicht werden wir mal ein paar Fotos davon machen und euch in den Highlights zur Verfügung stellen. Aber fangen wir mit der coolsten Frage an, Katrin, wann war dein allererstes Konzert?

Katrin: Uhhh, das ist lange her, Leute. Ich glaube ich war 12 Jahre alt und es – ich weiß nicht ob jemand noch die Boyband ‚Natural‘ kennt. Das ist die Band um Marc Terenzi, den Ex-Ehemann von Sarah Conner. Und ich war so verliebt in den Schlagzeuger.

Beide lachen

Katrin: Das war mein erstes Konzert und ich war mit meinem ältesten Bruder und einer damaligen Freundin auf dem Konzert. Und zum Schluss haben wir sogar ein Autogramm bekommen.

Christin: Oh, Du hast mit 12 Jahren dein erstes Autogramm bekommen?

Katrin: Jaaaaaaa. Das ist so cool.

Christin: Du hast die danach getroffen?

Katrin: Am Zaun. Wie das so ist. Heutzutage kennt man das. Aber jetzt verrat mir doch erst einmal, was war denn dein erstes Konzert?

Beide lachen.

Christin: Mein erstes Konzert war genau genommen am 08.03.2003.

Katrin: Wieso kennst du das Datum?

Christin: Weil es mein erstes Avril Lavigne Konzert war. Und ich habe Avril Lavigne geliebt. Auf jeden Fall habe ich – oh gott – das war eine ganz schlimme Sache. Wie ihr ja mittlerweile wisst, an alle treuen Zuhörer, die alle Folgen von uns kennen, bin ich ein absolutes Dorfkind. Und wie das halt so ist. Konzerte haben wir damals nicht gehabt und Großstadt schon einmal gar nicht. Und dann wollte ich mit meinen süßen 13 Jahren alleine nach Berlin fahren. Ihr könnt euch vorstellen was meine Eltern für einen Aufstand gemacht haben. Hallo Mami! Es tut mir leid. Es ist mir noch immer echt unangenehm, wie doll ich gebettelt habe. Ich habe wirklich alle Register gezogen, um auf dieses Konzert zu fahren. Ich habe jede Emotion fünfmal ausgelebt. Ich habe geheult, ich habe geschrien, ich habe – – gebettelt. Ich habe alles getan, um auf dieses Konzert zu fahren. Danke, dass ihr mich da habt hinfahren lassen und ja, ich war dann tatsächlich da. Ich bin mit einer aus der parallel Klasse da gewesen. Freundin ist übertrieben zu sagen. Meine Tante hat uns gefahren.

Katrin: Ich wollte gerade sagen, wart ihr dann dort auch alleine?

Christin: Nein, sie haben uns dort abgesetzt und haben uns nach dem Konzert wieder abgeholt. Ich stand in der 1. Reihe. Ich habe geheult.

Katrin: Natürlich stand sie erste Reihe, wo auch sonst?

Christin: Ich habe Avril Lavigne leider nicht getroffen. Eine süße Widmung habe ich bekommen, als ich sie Jahre später getroffen habe und ich mit ihr reden durfte.

Katrin: Oh, das ist schon ein bisschen süß.

Christin: Ja, ich habe sie geliebt. Und wäre Corona nicht gewesen, hätten wir Avril Lavigne am 08.03. letztes Jahr gesehen. Auf den Tag genau.

Katrin: Stimmt, wo wir Konzertkarten hatten.

Christin: Das ist total verrückt. Schade dass es nicht stattgefunden hat. Jetzt ist es nächstes Jahr.

Katrin: Auch am 08.03. ?

Christin: Auch am 08.03. !!

Herzlichen Lachen von beiden


Katrin: Wie verrückt. Wir haben so viele Konzertkarten, da habe ich doch glatt vergessen dass wir Karten für Avril Lavigne haben.

Christin: Weißt du denn was danach so kam, Katrin? Nach Natural.

Katrin: Bei mir? Nein, danach war das Thema Konzerte für mich gegessen. Danach war ich gar nicht mehr auf so vielen Konzerten.

Christin: Das ist traurig. Bei mir fing das dann erst richtig an. Ich habe bei Avril Lavigne zwei Mädels kennengelernt, mit den ich dann ab 2003 im Sommer tourte, einer finnischen Band. Vielleicht kennen einige von euch noch ‚The Rasmus‘?

Katrin: Oh, oh, oh, in the Shadow! Um mal kurz eine Gesangseinlage zu geben.

Christin: Wow! Ähm, ja, und da war dann auch mein erstes Konzert im November und wir waren dann mit The Rasmus auch viel auf Tour. Da fingen dann meine ersten Touren an und begonnen haben wir in Berlin, am …

Katrin: 14. September 2003

Christin: Fast ein halbes Jahr später als Avril Lavigne war ich auf dem ersten The Rasmus Konzert und dann ging das so weiter.

Katrin: Die waren sehr oft in Berlin unterwegs, krass.

Christin: Wir haben dann die Band schon sehr oft getroffen. Wir haben dann auch mal am Hotel gewartet oder sie an der Konzerthalle getroffen. Da ist auch mein allererstes Foto mit dem Sänger Lauri entstanden. Das war dann schon – wir sind dann viel durch die Gegend getourt. Wir waren dann in ganz Deutschland unterwegs.

Katrin: Ich muss noch einmal kurz nachfragen, 2003/2004 – wie alt warst du da? Und deine Mama hat das so toleriert?

Christin: Nö.

Katrin: Achso, das waren dann wieder alle möglichen Gefühlszustände?

Christin: Naja, ähm, es fing schleichend an. 2003 waren die ersten Konzerte. Und ich bin 2005 aus der Schule raus – die Mädels waren auch älter als ich. Und meine Eltern haben die auch kennengelernt, wir waren mit dem Auto unterwegs. Wir waren sehr eng befreundet und natürlich haben sie mich dann mit den mitfahren lassen. Ich war auch noch in der Schule aber richtig los ging es dann als ich aus der Schule rausgekommen bin. 2005 ging es dann erst richtig los. Ich bin ausgezogen und dann hatte ich natürlich auch viel mehr Freiheiten. Ich musste nicht mehr nachfragen. Nach der Arbeit sind wir auf die Konzerte gegangen oder hatten auch mal so Trips, nach der Arbeit nach Köln zu fahrne und nachts wieder zurück, um gleich arbeiten zu fahren. Es waren dann auch viele kleinere Shows. Damals war es nicht so wie heute. Es gab noch Preisverleihungen, Geheimshows und akustik Konzerte. Die erste richtig große Tour, die ich gemacht habe, war 2009. Da sind wir auf wie viel Konzerten gewesen. Zähl mal.

Katrin: 16 – könnte hinhauen.

Christin: Ja, das könnte hinhauen. In Europa. Das war meine erste Tour.

Katrin: Schon ziemlich verrückt.

Christin: Das war eine verrückte Tour und durch die vielen Konzerte die man besucht hat. Wir haben die Crew und den Busfahrer kennengelernt. Da sind dann schon die ersten flüchtigen Freundschaften entstanden. Und man kennt sich dann halt einfach. Wir wurden dann auch in einigen Interviews erwähnt und wurden auf der Bühne gegrüßt und es war halt eine coole Zeit gewesen. Wir waren dann auch 2009 im Sommer das erste mal in Finnland und haben dort getourt, da waren wir dann 3 ½ Wochen und durch das viele Touren mit Rasmus haben wir dann auch die Vorbands kennengelernt. Dann sind daraus neue Touren entstanden.

Katrin: Und so fährt man von Ort zu Ort, immer mit dem Ziel auf ein Konzert zu gehen.

Christin: Und immer von Band zu Band. Und dann kam natürlich aus Vorband mit einer eigenen Tour und dann waren wir wieder dabei. Da sind viele Freundschaften entstanden.

Katrin: Chrissy und ich haben uns auch kennengelernt bei einer Band.

Christin: Wer uns auf Instagram verfolgt hat das schon gesehen. 2005 da war ich auf meinem allerersten Tokio Hotel Konzert.

Katrin: Ich auch aber da kannten wir uns noch nicht.

Christin: Da sollten noch ein paar Konzerte dazwischen liegen bis wir uns kennenlernen. 21. September 2006 kennengelernt, eben auch bei Tokio Hotel.

Katrin: Es war legendär. Sie kam an mit den Worten, bist du die Katrin mit den Locken?

Christin: Da haben wir schockverliebt. Katrins erstes Konzert war witzigerweise am gleichen Abend in der gleichen Konzertstätte aber da sind wir unsichtbar aneinander vorbeigelaufen.

Katrin: Diese Erinnerung. 2005 war ich 16 Jahre alt und – es ist super peinlich das zu erzählen. Aber wie man so ist beim ersten Konzert von Tokio Hotel hat man natürlich auch erste Reihe hatte ich dann mit einem Kajal Stift – glaube ich –

Christin: Das hast du nicht gemacht?

Katrin: Doch! – – ich hatte die Namen von den Membern – also, Bill, Tom, Gustav und Georg im Gesicht.

Beide lachen.

Christin: Wo hast du dir die hingeschrieben?

Katrin: Ich glaube, Tom stand auf der Stirn.

Beide lachen.

Katrin: Gustav und Georg auf den Wangen und Bill auf dem Kinn. Ich weiß es nicht mehr. Irgendwo gibt es davon auch Bilder aber die werdet ihr niemals sehen!

Christin: Respekt.

Katrin: Heutzutage mache ich das natürlich nicht mehr.

Christin: Und dann fing unsere Tokio Hotel Zeit an und alle Bands liefen irgendwie nebenbei. Nachdem wir uns kennengelernt haben 2006 haben wir dann – oh gott – sehr viele Konzerte gemeinsam mitgemacht!

Katrin: Es begann dann so ein bisschen, wir sind dann auch eher weg von der Mainstream Musik und sind dann in der Berliner Untergrundmusik angekommen. Und haben dort viele Bands die im Untergrund gespielt haben, nicht in Radiosendern gespielt wurden, ja, im Knaack Club wenn das jemand etwas sagt.

Christin: Magnet.

Katrin: Weiße Rose. Ich kriege die ganzen Namen nicht mehr zusammen.

Christin: Es war halt auch ein krasser Gegensatz zu Tokio Hotel. Wir kamen nicht einmal an sie heran, um Hallo zu sagen. Es war dann auch ein kleiner Kulturschock und ähm – nichtsdesttrotz haben wir es natürlich geliebt, uns hat dann aber auch etwas diese nähe zur Musik gefehlt und somit haben wir den Ausgleich zu den Untergrund Bands geschaffen. Und so kam ein Kontakt zum anderen. Und dann waren wir bei Bands – die 5Bugs. Ich habe auch geliebt, wie Katrin.

Katrin: Meine war Harthof, sie war eine kleine Band.

Christin: Keiner kennt diese Bands.

Katrin: Wen ihr aber vielleicht kennt, von Staffel 4 von Deutschland sucht den Superstar, Max Buskohl mit seiner Band Emty Trash. Das haben wir auch mitgenommen und ja…

Christin: Simple Band war auch eine Band, die habe ich sehr oft getroffen. Und ich war mit Lost Prophets auf Tour. Mit Green Day waren wir auf Tour. Katrin war auch öfter mit dabei. Und wir haben, wie gesagt, auch immer kleine andere Bands kennengelernt. Es gab zum Beispiel früher eine Band, die gibt es nicht mehr. The Blackout. Es war eine britische Band. Wegen denen waren wir wegen einem Konzert in Liverpool. Wir sind nach Liverpool geflogen. Wegen The Rasmus waren wir 2012 auf England Tour, neben Deutschland und Ausland – die England Tour mit 6 Konzerten mitgemacht. Wir haben über The Rasmus auch drei meine liebsten Freunde kennengelernt, mit den ich es liebe auf Konzerte zu gehen. Nicht dass ich es nicht liebe mit Katrin auf Konzerte zu gehen aber es ist etwas anderes mit den Mädels auf Konzerte zu gehen, wo man sie auch kennengelernt hat. Wir haben auch ein Tourtattoo zusammen, wir alle vier, was wir aus Erinnerungen haben und uns in die Haut stechen lassen und, ja… mittlerweile sind zwei von uns auch Mamis und da ist es auch nicht mehr so einfach mit den Touren. Man musste sich irgendwann auch mal für Bands entscheiden. Man konnte nicht mit jeder Band auf Europatour gehen.

Katrin: Nein, das geht in der Tat nicht. Es wäre zwar schön aber ist zeitlich gesehen nicht mehr möglich!

Christin: Ja, und dann sind wir halt bei Tokio Hotel geblieben. Wir mussten uns halt entscheiden und Grenzen setzen.

Beide Lachen.

Katrin: Grenzen setzen!

Christin: Da sind wir halt noch immer auf Tour und hoffen im Herbst auf die Tour. 2017 waren wir auf 19 Konzerten in Deutschland und Europa. Da haben wir alles mit Auto gemacht.

Katrin: Wir sind nicht geflogen, wir waren mit der Fähre unterwegs.

Christin: Wenn sie auf Tour sind, nehmen wir jede ausgiebig mit.

Katrin: Das ist halt auch ein bisschen der Ausgleich zu unserem eigentlichen Alltag, Arbeitsalltag, den wir uns auch ein bisschen schaffen.

Christin: Außerdem sind unsere Autofahrten auch immer super witzig. Wir philophieren wie früher, als wir in unserer 2er WG gelebt haben. Das ist immer ein schöner Ausgleich. Und wir hoffen dass die Konzerte im Herbst Corona bedingt wieder stattfinden. Und da sind auch sehr viele Konzerte geplant.

Katrin: Nach Corona sind Konzerte sind generell geplant. Was man nicht vergessen darf, wir waren früher auch sehr gern auf Festivals unterwegs.

Christin: Wir waren 2008 bei Rock am Ring und das war mega witzig.

Katrin: Ich werde die Erinnerung niemals vergessen. Wie ein Mann im Schottenrock uns entgegen kam und wir darüber nachdachten, haben die Schotten darunter überhaupt etwas? Und auf einmal lüftete er sein Röckchen und was sollten wir sagen… Mädels, naja…

Christin: Er hat nichts drunter getragen.

Katrin: Das war unser Einstieg in die Festivals. Wir waren bei so vielen Konzerten.

Christin: Wir waren bei den Ärzten, die haben für nächstes Jahr auch wieder neue Daten rausgebracht. Und wir sind Ticketerprobt und haben uns Tickets gesichert.

Katrin: Sonst nehmen wir eigentlich jedes Konzert mit und wenn ein guter Künstler kommt, den wir als gut erachten, fahren oder gehen wir aufs Konzert. Auch weit entfernte Städte. Und Chrissy ist damals für mich, wegen mir – ich bin ein großer Fan von Walking on Cars – vielleicht kennt der ein oder andere die Band, ‚Speeding Cars‘ oder ‚Catch me if you can‘ – eine irische Band. Die liefen früher mal im Radio. Ich habe diese Band gefressen, ich habe diese Band geband. Ich liebe diese Atmosphäre wie die auf der Bühne sind, das ist für mich pure Leidenschaft. Ein Erlebnis und eine unglaubliche Erfahrung, die für mich keine andere Band ausstrahlt. Chrissy ist für mich nach Frankfurt am Main gefahren und wir sind zusammen ins Batschkapp gegangen. Ich habe sie also mitgeschliefen. Und habe sie dann infiziert. Leider hat sich die Band leider aufgelöst.

Christin: Und ich habe Katrin mit der Band Against the Current angesteckt.

Katrin: Ohja, Brighter. Ich habe es geliebt.

Christin: Auf die bin ich zufällig gekommen, wegen einem guten Freund. Ich habe diese Band geliebt und wir mussten immer hingehen, in den kleinsten Clubs Berlin aber wir waren da! Und sowas haben wir uns dann angeschaut. Es ist grundsätzlich so dass wenn Konzerte oder Bands auf Tour kommen und einer von uns die kennt und mag, dann werden grundsätzlich zwei Konzertkarten gekauft, weil die andere immer mitkommt.

Katrin: Ich muss noch von einem Erlebnis erzählen. Ich möchte seit Jahren auf ein Volbeat Konzert.

Christin: Als ich Katrin vorschlug auf ein Volbeat Konzert zu gehen, kannte sie diese gar nicht! Aber erzähl deine Geschichte weiter.

Katrin: Ich habe drei oder viermal Konzertkarten gekauft aber was soll ich sagen, wir waren noch nie auf einem Volbeat Konzert. Ich war so mutig und habe Konzertkarten gekauft, für ein Konzert war drei oder vier Tage vor dem errechneten Entbindungstermin. Ich dachte mir, ach komm, das schafft sie schon!

Beide lachen!

Katrin: Leider hat sie es dann nicht mehr geschafft.

Christin: Ich wäre auch mitgegangen aber der Vernunfthalber habe ich es nicht getab. Und mein Freund hat gesagt, was machst du denn wenn die Fruchtblase auf dem Konzert platzt und du in Berlin ins Krankenhaus musst, das konnte ich dann nicht bringen.

Katrin: Schweren Herzens habe ich die Karten dann wieder verkauft, weil ich auch nicht allein gehe und auch nicht ohne Chrissy aufs Konzert gehe. Danach habe ich dann noch zweimal Karten gekauft und einmal haben wir keine Karten bekommen und wegen Corona hat es dann natürlich auch nicht funktioniert, das ist eine sehr traurige Geschichte.


Christin: Und dann wollten wir eigentlich dieses Jahr zu Rock am Ring, was sollen wir sagen? Findet natürlich nicht statt wegen Corona.

Katrin: Und was soll ich sagen, jetzt ist mein Herz gebrochen wegen Volbeat.

Christin: Es gibt so Bands, die will man unbedingt sehen aber man sieht sie nie.

Katrin: Irgendwann!

Christin: Wir sind, wie ihr merkt, im Musikgeschmack sehr offen.

Katrin: Ich finde diese Frage nach meinem Musikgeschmack immer sehr schwierig zu beantworten, ich mag durch die Bank weg alles, von Rock zu Heavy Metal, auch mal zu Schlager oder Techno, die ich klasse. Ich finde es schwierig diese Frage, was ist dein Musikgeschmack offen und ehrlich zu beantworten, mich auf eine Musikrichtung festzulegen. Kann man nicht. Kannst du das?

Christin: Zum Stichwort Schlager, Katrin liebt es wenn wir auf Tour sind, nachts! – wenn wir von Stadt zu Stadt fahren, Atemlos von Helene Fischer zu hören. Immer wenn ich eine zufällige Wiedergabe habe und er kommt, muss ich ihn weiterklicken, so verdammt oft habe ich diesen Song Nachts gehört und Katrin ihn mitgesungen hat. Sie kann sogar die Live Version 1A mitsingen, selbst die wo gesprochen wird!

Katrin: Ein wahrer Fan kennt seine Texte!

Christin: Musik ist für mich – ich liebe alles was mich im Herzen berührt wenn ich Musik höre zähle ich dafür. Wir lieben Musik deswegen, weil es uns halt berührt. Und wenn es dann Schlager ist, wie Atemlos oder ein Song von Tokio Hotel oder The Rasmus oder 5 Bugs – übrigens müsst ihr euch den Song ‚Just another Tragic Story‘ anhören.

Katrin: So, jetzt haben wir aber lange genug geredet.


Christin: Somit wären wir jetzt am Ende dieser schönen und harmonischen Folge angekommen. Wie immer findet ihr uns unter www.Zeitgeist-der-Inklusion.de . Schaut auf unserer Webseite vorbei, dort findet ihr auch alle direkten Links zu Instagram, Facebook und natürlich die Skripte zu den jeweiligen Folgen zum nachlesen. Vielleicht kennt auch ihr einen Menschen der schwer hören kann oder gar gehörlos ist. Deswegen gibt es unsere Folgen selbstverständlich auf unserer Seite zum lesen.

Katrin: Hinterlasst uns gerne wie bisher konstruktives Feedback, Kommentare oder likes. Bewertet unseren Podcast bei Apple, darüber würden wir uns unglaublich freuen. Wer Fragen zu dem heutigen Thema hat, darf uns gern anschreiben oder findet unter den Shownotes die direkten Links zu unserer lieben Nadine. Nicht zu vergessen, wer seine eigene Geschichte zum Thema Inklusion gerne vor Zuschauern erzählen mag, habt den Mut und schreibt uns sehr gerne an. Bei uns hat jeder die Möglichkeit seine Geschichte zu erzählen, ganz gleich was er erlebt hat.

Christin: Damit wären wir am heutigen Ende und verabschieden uns bis in zwei Wochen, wenn es wieder heißt „…und gemeinsam, sind wir alle Inklusion!“ Lasst es euch gut gehen, bis dahin!

Katrin & Christin: Tschüüüüüüüüß!